Der erfolgreichste deutsche Kicker kommt aus Villingen-Schwenningen. Dort produziert Mieg den seit 1925 fast unveränderten Standfußballer – die Verkörperung des deutschen Stellungsspiels.
Von Jakob Vicari
Ballhälften kleben
Behindertenwerkstätten, Villingen-Schwenningen. Die Behinderten kleben die schwarzen auf die weißen Ballhälften, legen Ball, Spieler und Tor in einen Karton und schweißen diesen zu. Die Werkstätten, 240 Arbeitsplätze, arbeiten seit 32 Jahren für Mieg.
Draht (nicht sichtbar)
Grieshaber, Schiltach. Statt Muskeln steuert Eisendraht die Flanken. Im Kicker steckt biegbarer und trotzdem fester Draht, den Grieshaber im Schwarzwald extra für Mieg zieht und mit Salzsäure bleicht, damit er schön glänzt.
Stadion (nicht sichtbar)
Kroh Kunststofftechnik, Geislingen. Als Extra erhältlich: Eine Platte warmes Polystyrol wird auf eine warme Aluminiumform des Stadions gesaugt. Der Kunststoff ist weich und nimmt die Form des Stadions an. Vier Minuten dauert die Herstellung.
Roter Knopf
Rieger, Villingen-Schwenningen. Eigentlich Automobilzulieferer. Der rote Knopf wird bei Rieger seit 20 Jahren im Spritzguss hergestellt. Auch den zwölfeckig en Fußbällen konnten sie nicht widerstehen, die kommen ebenfalls von Rieger.
Bemalung Nataschaplast, Menzel Bou Zelfa, Tunesien. Sonst bemalt die Firma, die mit dem schwäbischen Spielzeugmacher Schleich verbandelt ist, Warzenschweine und Kängurus. Im Norden Tunesiens werden aus den grauen Zinnkickern Nationalspieler. Per Hand mit feinen Pinseln werden den Spielern Trikots und Gesichter aufgemalt.
*Schachtel (nicht sichtbar) *
Casimir Kast, Gernsbach. 145 Mitarbeiter und Tipp-Kick -Fans aus dem Schwarzw ald liefern eine „sechspunktgeklebte Verpackung mit angehängtem Deckel“ für das Spiel. Die ist aus kaschierter Wellpappe und UV-lackiert, damit sie auch nach mehreren Jahren noch gut aussieht.
Farbe
Dreisol, Preußisch Oldendorf. Viel wichtiger als der Farbton ist, was sonst im Metallschutzlack drin ist. Dreisol mischt Bindemittel, Verlaufsmittel und Antiabsetzmittel. Alles geheim, aber in kleinen Dosen käuflich als Revell-Modellbaulack.
Montage
Edwin Mieg, Villingen-Schwenning en. Es ist nicht Gómez oder Podolski, nein, immer noch die Tipp-Kick -Figur mit dem ernsten Gesicht, die Großv ater Mieg 1924 entwarf. 14 Mitarbeiter häng en das Schussbein ein, immer rechts. Früher war en die Kicker aus Blei, seit dem Krieg aus Zink. Die Revolution kommt im Herbst: Dann gibt es die erste Tipp-Kickerin. Preis: 7 ,90 Euro.
Guss
Eisenmann, Villingen-Schwenningen. Jeder Kicker ist aus knapp 40 Gramm Universalzink. Den nehmen die 200 Eisenmänner auch für Autoteile und Fensterrahmen. In die Form passt eine Viererkette, der Guss dauert 30 Sekunden. Eine Markierung im Schritt verrät Eisenmann.
Rasen (nicht sichtbar)
Bechem, Uhingen. Der Spezialist für Überzugs- und Verpackungsmaterialien wurde Anfang des 20. Jahrhun – derts als familiengeführte Färberei und Textilv eredelung gegründet. Vater Bechem hat schon Spielfelder für Vater Mieg gemacht: Die waren aus Spielleinen, heute ist es Schaum von der Rolle, beflockt mit grüner Viskose.
Erschienen in
Impulse
Autor
Jakob Vicari
freier Wissenschaftsredakteur
Datum
27.5.2010
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