Physik kann so schön sein

Vor 113 Jahren wurde das Patent auf das Kaleidoskop erteilt.
Von Jakob Vicari
Er kannte das bunte Leben. Und vielleicht führte ihn das zu seiner Erfindung, die die Vielfalt des Lebens einfing. David Brewster studierte erfolgreich Theologie in Edinburgh, wandte sich dann der Juristerei zu, um schließlich bei der Physik hängenzubleiben. Als Physiker war er talentiert. Schon im Alter von zehn Jahren hatte sich der Junge ein funktionierendes Teleskop gebaut, um die Sterne zu beobachten. Er untersuchte die Lichtbrechung, wenn Lichtstrahlen auf Kristalle trafen. 1816, Brewster war 35 Jahre alt und schon ein angesehener Wissenschaftler, entwickelte er das Kaleidoskop. Eigentlich wollte er es als wissenschaftliches Instrument nutzen. Er baute ein Rohr, versah es mit einer Linse, einem Prisma und bunten Glasstücken. Für die Wissenschaft war es nicht recht brauchbar, denn das einzige, was diese Röhre produzierte, waren bunte Bilder. Es waren schöne Bilder, ungesehene Bilder, fesselnde Bilder. Brewster, der spröde Physiker, konnte sich gar nicht davon losreißen, in seine Röhre zu schauen. Persönlich war Brewster anstrengend: reizbar, ungeduldig, streitsüchtig und angriffslustig. Der Mann mit dem Backenbart blickt auf allen überlieferten Porträts streng. Doch er schuf eines der fröhlichsten physikalischen Spielzeuge: das Kaleidoskop. Der Name kommt und steht für das Instrument, mit dem man die Dinge in einer schönen Form betrachten kann. Am 10. Juli 1897, heute vor 113 Jahren, erhielt er auf das Kaleidoskop ein Patent. In der Patentschrift heißt es: ›Das Kaleidoskop ist ein Instrument, um eine unendliche Variation von schönen Formen zu erzeugen und vorzuführen.‹ Noch bevor er das Patent erhielt, hatten findige Geschäftsleute die ersten Wunderröhren auf den Markt gebracht.

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Erschienen in
Badische Zeitung

Autor
Jakob Vicari
freier Wissenschaftsredakteur

Datum
10.7.2010




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