Vor 292 Jahren wird das erste Maschinengewehr patentiert.
Von Jakob Vicari
Für Brücken, Pässe, Schiffe, Boote, Häuser und andere Orte, wirbt die Patentschrift für die neue Erfindung. Und legt noch einen drauf: Das Wunderding verteidige ›König Georg, dein Land und die Gesetze”. Das angepriesene Universalgerät ist das erste Maschinengewehr. Es wird allen modernen Kriegen seinen blutigen Stempel aufdrücken. Erfunden und patentiert hat die Waffe vor 292 Jahren der Londoner Anwalt James Puckle. Der umtriebige Jurist hat sich bis dahin als Autor versucht. Sein Gesprächsband ›Der Club” schildert einen moralischen Dialog mit eher schlichten Lebensweisheiten: ›Zuneigung jeglicher Form ist wie ein Kerzenschein, der unsere Unzulänglichkeiten erhellt.” Wie Puckle ausgerechnet auf die mörderische Idee eines automatischen Gewehrs kommt, ist nicht überliefert. 1718 stellt er seine ›Verteidigungs-Waffe” vor, die vor allem Schiffe vor Piraten schützen soll. Das Gewehr, ein 25-Millimeter-Kaliber, ist auf einem dreibeinigen Stativ montiert und wiegt 50 Kilogramm. Bis zu neun Schuss kann es in der Minute abfeuern und zwar sieben Minuten lang ununterbrochen, so zumindest wird es im London Journal vier Jahre nach dem Patent am 31. März 1722 berichtet. Weitere Details des Patents lassen einen Rückschluss auf Puckles erschreckendes Weltbild zu: So soll die eine der von ihm präsentierten zwei Versionen gegen ›christliche Feinde” eingesetzt werden, sie tötet mit konventionellen runden Geschossen. Für den Krieg gegen Muslime hat Puckle eine Variante mit eckigen Geschossen ersonnen, die tiefere, schmerzhaftere Wunden verursachen soll. Zum Glück ist Puckle ein lausiger Geschäftsmann und schafft es nicht, die Investoren von seiner Erfindung zu überzeugen. So wird sie vermutlich nur wenige Male gebaut. Getötet hat Puckles Waffe deshalb wohl niemanden. Die Idee gerät in Vergessenheit. Die Welt bleibt noch 150 Jahre von Maschinengewehren verschont. Bis Richard Gatling aus Indianapolis die Idee der automatischen Schusswaffe im amerikanischen Bürgerkrieg wieder belebt.
Erschienen in
Badische Zeitung
Autor
Jakob Vicari
freier Wissenschaftsredakteur
Datum
15.5.2010
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